Viele Kulturzentren sind stolz auf ihre basisdemokratische und kollektive Tradition. Entscheidungen im Konsens, flache Hierarchien, alle Stimmen zählen gleich. Das klingt nach gelebten Werten.

In der Praxis zeigt sich ein Dilemma.

Jede Organisation steht vor derselben Frage: Wen beteiligen wir an welchen Entscheidungen und wen schließen wir aus? Zu viele zu beteiligen kostet begrenzte Ressourcen und Zeiträume. Zu wenige zu beteiligen produziert Widerstand, fehlende Vielfalt und Abstimmungsfehler. Kulturzentren neigen dazu, dieses Dilemma in eine Richtung aufzulösen: alle beteiligen, niemanden ausschließen. Das ist eine Entscheidung mit Konsequenzen.

  • Eine Förderzusage erfordert eine schnelle Entscheidung über die Programmausrichtung. Ein Konflikt mit Besuchern verlangt eine klare Position. Ein Mietvertrag muss verlängert werden zu veränderten Konditionen. Aber das Entscheindungsgremium tagt erst in drei Wochen. Oder es tagt – und vertagt Entscheidungen.
  • Wer alle beteiligt, zahlt einen Preis: Entscheidungen dauern länger, engagierte Ehrenamtliche sind überlastet, Fristen verstreichen. Wer wenige beteiligt, zahlt einen anderen Preis: Widerstand, Frustration, das Gefühl, übergangen zu werden.
  • Die unbequeme Erkenntnis: Beide Wege kosten etwas. Es gibt kein Vorgehen und keine Entscheidungsstruktur, die nur Vorteile bringt. Wer das nicht transparent beleuchtet und akzeptiert, entscheidet nicht bewusst – sondern lässt sich von den Nachteilen überraschen.

Kulturzentren, die handlungsfähig bleiben wollen, müssen diese Frage beantworten: Wer entscheidet was? Bis wann? Und wer trägt die Konsequenzen, wenn nicht entschieden wird? Beteiligung ist kein Wert an sich. Sie ist eine Entscheidung – mit Gewinn und Verlust.

Wie balancieren Sie in Ihrem Kulturzentrum zwischen Beteiligung und Handlungsfähigkeit? Wir von IMTAKT eG – Genossenschaft für Organisationsberatung sind neugierig auf Ihre Erfahrungen.