Über Jahre haben alle auf diesen Moment hingearbeitet: Das Theater kehrt zurück. Das Interim ist vorbei, die Baustelle Geschichte, das Haus erstrahlt in neuem Glanz. Endlich wieder arbeiten wie früher.
Nur: Das Früher gibt es nicht mehr.
Im Ausweichquartier hat sich das Haus neu sortiert. Wege haben sich verändert, Routinen verschoben, informelle Hierarchien sind entstanden. Die Technikerin, die im Interim plötzlich Entscheidungen treffen musste, gibt diese Rolle nicht einfach ab. Der Dramaturg, der im Container-Büro neue Verbündete gefunden hat, kehrt nicht automatisch zu den alten zurück.
Und dann ist da die Erwartung: Jetzt muss alles besser sein. Das neue Haus soll die Mühen rechtfertigen. Die Politik will Ergebnisse sehen, die Presse einen gelungenen Neustart, das Publikum ein Erlebnis.
Wer glaubt, nach der Sanierung sei „alles wieder gut“, übersieht drei Dinge:
- Das Team, das den Übergang getragen hat, erwartet Anerkennung und nicht einfach zurück zu früher. Wer das ignoriert, verliert genau die Menschen, die in der schwierigsten Phase loyal waren.
- Die neuen Räume erfordern neue Absprachen. Was im alten Haus selbstverständlich war, muss neu verhandelt werden – von Laufwegen bis zu Zuständigkeiten. Das kostet Zeit, die niemand eingeplant hat.
- Die öffentliche Aufmerksamkeit ist ein zweischneidiges Schwert. Jeder interne Konflikt, der jetzt aufbricht, wird unter dem Brennglas der Wiedereröffnung betrachtet.
Die Rückkehr verlangt doppelte Arbeit: Nach innen muss das Team neu zusammenfinden – mit veränderten Rollen, neuen Räumen, anderen Erwartungen. Nach außen muss das Haus beweisen, dass sich die Jahre des Wartens gelohnt haben.
Theater wissen, wie man Premieren inszeniert. Die Frage ist, ob Theaterleitungen diese Kompetenz auch für die eigene Organisation einsetzen und den Tag danach mitdenken.
Steht bei Ihnen eine Rückkehr bevor – oder haben Sie eine hinter sich?
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