Wer ein Theater durch eine Sanierungsphase steuert, hält gleichzeitig den Spielbetrieb aufrecht, verhandelt mit dem Träger über Zeitpläne und moderiert die Unruhe im Haus. Dass in dieser Gemengelage die Frage „Und das Ensemble müssen wir auch noch mitnehmen?“ mitschwingt, ist nachvollziehbar. Häuser, die diese Frage nicht wegschieben, sondern früh aufnehmen, stehen später oft stabiler da – auch wenn der Weg dahin Kraft kostet.
In vielen Theatern, die wir in Phasen von Raumumbrüchen beobachten, begegnet uns ein Muster: Der Prozess wird in einem kleinen Kreis geplant – aus gutem Grund. Zeitdruck, Steuerbarkeit, Vertraulichkeit gegenüber dem Träger. Das ist eine legitime Antwort auf eine reale Anforderung.
Gleichzeitig ist der Anspruch, beteiligt zu werden, im Haus und Ensemble oft viel breiter und deshalb auch diverser angelegt. Wenn die Bühnentechnikerin nicht gefragt wurde, wie die neue Werkstatt zugeschnitten sein sollte; wenn die Disponentin nicht weiß, welche Prozesse sich im neuen Haus ändern sollen; wenn die Kassenmitarbeiterin erst aus der Pressemitteilung erfährt, wofür das Haus künftig stehen will – dann zeigt sich eine stille Grenze, die niemand formal gezogen hat.
Passende Beteiligung heißt jedoch nicht, alle über alles mitreden zu lassen. Sie heißt, früh zu klären, wer zu welcher Frage etwas weiß, was ohne ihn oder sie nicht auf den Tisch kommt. Die Bühnentechnikerin kennt die Werkstatt als Arbeitsraum, nicht als Grundriss. Die Disponentin sieht, wo heutige Abläufe in den neuen Räumen brechen werden. Die Kassenmitarbeiterin hört, was das Publikum von einem künftigen Haus erwartet. Das sind keine großen Beteiligungsformate, sondern klar umrissene Gespräche. Entscheidend ist nicht ihre Länge, sondern ihr Zuschnitt.
Wer vorher gefragt wird, bewertet hinterher anders. Nicht, weil Beteiligung alle Entscheidungen trägt, denn manche müssen gegen berechtigte Widerstände getroffen werden. Sondern weil Beteiligung eine Erwartung erfüllt: mitgedacht zu haben, statt später informiert zu werden.
