Bereits 2006 fiel der Startschuss für die Zukunftsinitiative des Deutsches Museum in München. 2015 begann die eigentliche Sanierung im Sammlungsgebäude. Der erste Abschnitt öffnete 2022, ursprünglich für 2019 geplant. Der zweite soll 2028 stehen, wenn das Haus 125 Jahre alt wird.
Zwischen Konzeptstart und Fertigstellungshorizont liegen (aktuell) 22 Jahre. In dieser Zeit haben die Insolvenz eines Architekturbüros, Kostensprünge, Pandemie und Wechsel bei den umsetzenden Unternehmen den geplanten Kurs immer wieder neu geordnet. Dass in solchen Größenordnungen überhaupt weiter geplant und Ausstellungsbereiche für das Publikum geöffnet werden, verdient Anerkennung für alle Beteiligten.
Viele Kultureinrichtungen kennen eine ähnliche Konstellation aus eigenen Sanierungsprojekten. Die Leitung muss sorgfältig planen. Entscheidende Bauabschnitte, Ausschreibungen, Fördermittel und Ausstellungskonzepte werden Jahre vor ihrer Fertigstellung und Eröffnung fixiert. Trotzdem fehlt oft die gewünschte Zeit und Sicherheit. Programmlinien werden erprobt, während der Bau läuft. Kooperationen entstehen, obwohl das Haus dahinter noch Baustelle ist. Personalentscheidungen fallen für ein Organigramm, das sich mit dem Raum verändern wird.
Ein möglicher Umgang liegt in der Frage, welche Entscheidungen später kaum zurückzuholen sind und welche Entscheidungen man wieder lockern kann, falls sie nicht tragen. Wo diese Unterscheidung im Alltag der Steuerung präsent bleibt, muss Sorgfalt nicht jede Vorwärtsbewegung ausbremsen. In einigen Häusern werden dafür eigene Zwischenetappen für die interne Organisationsentwicklung und unabhängig vom Bauzeitplan gesetzt. Anderswo entstehen kleine Erprobungsräume im laufenden Betrieb, in denen sich Formate aber auch neue Formen der Zusammenarbeit zeigen dürfen, bevor sie verbindlich werden.
Reine Sorgfalt ist über die Länge einer Sanierung nicht aufrecht zu halten. Ein Prozess, der mit Schwung vorangeht, produziert allerdings Festlegungen, die sich später nicht mehr auflösen lassen. Die eigentliche Aufgabe liegt deshalb im Alltag von Entscheidungen zu wissen, welcher Modus gerade dran ist.
