Die mittlere Führungsebene unter Druck

Die Bereichsleitung Restaurierung kommt aus der Steuerungsrunde „Umbauplanung“ zurück an ihren Arbeitsplatz. Sie hat dort nicht widersprochen, als der Verpackungsplan für die Sammlungsverlagerung um 6 Wochen nach hinten verlegt wurde. Eine Stunde später steht ihre Führungskollegin aus dem Bereich „Sammlung“ im Türrahmen, und beide rechnen durch, was das konkret für die Lagerung in der Übergangshalle heißt.

Mittlere Führungspositionen halten in Umbruchphasen viel zusammen, ohne dass es in einem Protokoll auftaucht. Sie übersetzen Beschlüsse in konkrete Arbeitspläne und sorgen dafür, dass der Betrieb weiterläuft, während in der übergeordneten Hierarchie Grundsatzfragen verhandelt oder in externen Gremien Zeitpläne verändert werden.

In den IMTAKT Aktionsfeldern gehört das zur Strukturfrage „Ordnung sichern und Wege öffnen“. Die mittlere Führungsebene trägt eine doppelte Last. Von der obersten Leitungsebene werden Entscheidungen erwartet und von den geführten Kolleginnen eine klare Auskunft dazu was jetzt zu tun ist. Beides in einem Tempo, das die Sitzungen in Steuerungsrunden nicht abbilden (können).

Die mittlere Führungsebene weiß meist, woran ein Plan tatsächlich hängt. In unserem Beispiel, dass die Klimakontrolle in der Übergangshalle Vorlauf braucht, den der verschobene Verpackungsplan nicht hergibt. Dieses Wissen ist selten dokumentiert, aber es ist da. Wenn es in der Leitungsrunde keinen Platz findet, fehlt es nicht nur dort.

Diese Beobachtung lässt sich quantitativ stützen. In der Studie von Mandel, Casagrande und Breuning „Kulturorganisationen im Wandel“ nehmen 46 Prozent der Bereichsleitenden einen starken Veränderungsdruck wahr, in der Gesamtleitung sind es 37 Prozent. Die ICOM-Befragung 2024 (https://www.icomstudie.de/) verweist auf den Druck von unten: Nur 17 Prozent der Mitarbeitenden halten Hierarchien für wichtig. Die Auswertung für die Folgeuntersuchung 2026 läuft und es wird interessant, ob sich der Druck verschoben hat.

Zugehört wird der mittlere Führungsebene oft. Ob sie das, was sie weiß, in Leitungsgremien auch wirklich aussprechen darf und Wirkung hat, ist eine andere Frage. In manchen Häusern darf sie Bedenken anbringen. Ein explizites Nein zu vertreten, ist nicht dasselbe.

Welche Mail aus einer Ihnen untergeordneten Führungsebene bzw. aus dem Kreis der Kolleginnen in Ihrer Führungsverantwortung ist letzte Woche fast geschrieben und dann doch nicht an Sie abgeschickt worden?

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