Drei Leitungen, ein Grundriss

In den meisten Kultureinrichtungen haben sich über die Jahre drei Leitungen eingespielt: eine künstlerische, eine kaufmännische und eine technische. Dass sie im Alltag weitgehend autonom nebeneinander operieren, ist kein Defizit. Es ist eine gewachsene Ordnung, die vielen Häusern über Jahrzehnte Stabilität gegeben hat. Jede Leitungsfunktion hat ihre eigenen Rhythmen, Kriterien und Entscheidungswege, und solange die Fragen sich sauber zuordnen lassen, reicht das.

Im Raumumbruch geht das oft nicht mehr auf. Ein neuer Grundriss ist gleichzeitig eine Programmfrage, eine Budgetfrage und eine Frage der technischen Machbarkeit. Solche Entscheidungen verlangen gemeinsame Klärung, und dafür gibt es in den meisten Häusern kein eingespieltes Format. Was über informelle Abstimmung funktioniert hat, reicht nicht mehr, wenn Entwürfe bewertet und Festlegungen getroffen werden müssen.

Im Theater sitzen Intendanz, Geschäftsführung und Technische Direktion an einem Tisch, an dem jede Perspektive berechtigt ist und keine allein entscheiden kann. Vergleichbare Konstellationen zeigen sich in Museen, wenn die Depotfrage zur Querschnittsaufgabe wird, und in Bibliotheken, die Leitung, Publikumsdienste und IT für den Umbau zum Dritten Ort zusammenbringen müssen.
Das Nebeneinander hat jahrelang funktioniert, gerade weil jede Seite ihren Bereich kannte. Der Raumumbruch verlangt ein Miteinander, für das die bisherige Ordnung keine Vorlage hat.

Der nächste Grundriss liegt vermutlich schon auf dem Tisch. Die Frage ist, wer mit welcher Leitungsbrille draufschaut und wie daraus eine gemeinsame Bewertung wird. 

Nach oben scrollen