Beschlossen, aber nicht angekommen

„Ändert sich jetzt eigentlich was?“

Der Satz fällt im Flur, nach Monaten voller Beschlüsse. Nicht laut, nicht vorwurfsvoll sondern eher beiläufig.

Ein Museum entscheidet, dass Kuration und Vermittlung während der Sanierung enger zusammenarbeiten. Die Idee ist richtig, die Begründung nachvollziehbar. Sechs Monate später plant die Kuration allein weiter. Nicht weil jemand dagegen war. Sondern weil niemand geklärt hat, was „enger zusammenarbeiten“ konkret bedeutet.

Eine Bibliothek richtet für den Umzug ins Ausweichquartier eine Steuerungsgruppe ein. Die Gruppe tagt regelmäßig, die Ergebnisse sind dokumentiert. In den Teams kann niemand benennen, was davon für die eigene Arbeit gilt. Die Steuerungsgruppe steuert auf dem Papier. Der Alltag steuert sich selbst.

Ein Theater ordnet die Zuständigkeiten für das Interim neu. Alles besprochen, alles protokolliert. Die Technik und die Programmgestalter arbeiten drei Monate später weiter wie vorher. Gemeinsame Abstimmungen werden geschwänzt.

Die Entscheidungen waren jeweils durchdacht. Die Kommunikation hat stattgefunden. Zwischen Beschluss und Arbeitsalltag ist trotzdem etwas offen und nicht wirksam geblieben.

Wer ein Haus durch einen Raumumbruch steuert, hält den Betrieb zusammen. Viele Entscheidungen können nicht warten. Dass in dieser Dichte die Lücke nicht oder spät auffällt, ist nachvollziehbar. Wo informelle Wege (noch) funktionieren, fangen die Menschen im Haus vieles auf.

Wenn die Lücke irgendwann nicht mehr zu überbrücken ist, liegen die vertrauten Erklärungen schnell auf dem Tisch. Mangelnde Kommunikation. Veränderungsmüdigkeit. Sie klingen plausibel und greifen selten. Was tatsächlich zwischen dem Beschluss und dem Arbeitsalltag liegt, ist eine andere Frage. Und eine, die jedes Haus für sich beantworten muss.

Wo erleben Sie in Ihrem Haus, dass Entscheidungen getroffen, aber nicht angekommen sind?

Nach oben scrollen