Wenn sich das Museum öffnet und die Rollen nicht mitwachsen

Museumsleitungen, die ihr Haus für neue Publikumsgruppen öffnen, tun das aus strategischen Überlegungen heraus. Dahinter stehen politische Erwartungen, Förderbedingungen und oft auch eine eigene Überzeugung, dass das Haus mehr sein kann als ein Ort des Bewahrens. Dass Leitungen diesen Weg unter hohem Druck von mehreren Seiten gleichzeitig gehen, verdient unbedingte Anerkennung.

In Museen, die sich in Raumumbrüchen auch inhaltlich neu aufstellen, beobachten wir ein wiederkehrendes Muster: Die Richtung ist meist gut formuliert mit Öffnung, Partizipation, neue Formate. Aber die formalen Funktionen und informalen Rollen im Haus wachsen langsamer als die Erwartungen. Das beginnt bei der Leitung selbst. Wer als herausragende Kuratorin berufen wurde, steht jetzt vor Aufgaben, die mit fachlichen Berufung wenig zu tun haben: Prozesse mit Stakeholdern moderieren, Teamkonflikte über neue Zuständigkeiten klären, den Träger davon überzeugen, dass Öffnung nicht nur Programm braucht, sondern auch veränderte Strukturen und neue Stellen. Die fachliche Exzellenz, die zur Berufung in eine Leitungsfunktion geführt hat, hilft bei der inhaltlichen Ausrichtung. Bei der Frage, wie man eine Organisation durch einen Identitätswechsel führt, hilft sie weniger.

Dieselbe Spannung setzt sich eine Ebene tiefer fort. Die Bereichsleitung soll ihrem Team erklären, was „Gastgeberin statt Aufsicht“ im Alltag bedeutet, und merkt, dass sie selbst noch keine stimmige Antwort hat, die über das Leitbild hinausgeht. Die Kuratorin, die eine Ausstellung gemeinsam mit einer Initiative aus dem Stadtteil entwickelt, verhandelt plötzlich Fragen, für die es im Haus keine Routinen gibt. Was fehlt, ist nicht der gute Wille, sondern der Rahmen: Wer klärt die neuen Zuständigkeiten? Wer gibt methodische Sicherheit? Und wer erlaubt, dass die neuen Rollen auch tastend ausgefüllt werden dürfen?

Öffnung wird dort wirksam, wo sie nicht nur als inhaltliche Richtung formuliert ist, sondern bei den Führungskräften ankommt, die sie übersetzen müssen. In klare Aufträge, veränderte Stellenzuschnitte und die Bereitschaft, den eigenen Rollenwechsel mitzugestalten.

Wie verändert sich in Ihrem Haus die Rolle der Leitung, wenn sich die Räume und der Auftrag verändern? Und wer begleitet diesen Wechsel?

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